| Alternative |
|
Artist: Age of Ignorance Title: Life |
![]()
|
| Info |
Crailsheim/Germany! Mittelzentrum, Eisenbahnknotenpunkt, Autobahnanschluß, Umgehungsstraße, ausgedehnte Gewerbegebiete mit 3-fach Disco sowie Einkaufzentrum inklusive Bau- und Mediamarkt. Definitiv nicht der ideale Ausgangspunkt, um von hier aus die Musikwelt zu erobern. In dieser Gegend frönen junge Rockmusiker in der Regel dem Progrock, exzessive Gitarrensolos verbunden mit endlos verschachtelten, möglichst komplizierten Songstrukturen. Die sorgen dafür, daß Crailsheim in den Jahrbüchern populärer Musik mit Sicherheit auch in der Zukunft nicht auftauchen wird. Doch es geht auch anders: Als Bassist Robert Wolf (Robse) und Schlagzeuger Dierk Hesterberg (Heste) vor zwei Jahren Age Of Ignorance gründeten, war ihnen sehr wohl bewußt, daß man mit Progrock Respekt und Anerkennung erreichen kann. Aber nur bei ein paar mitleidigen Musikern ... Heste: "Wir haben 6 oder 7 Gitarristen aus unserer Gegend getestet, und die konnten alle ganz tolle Frickelsolos spielen. Es gibt haufenweise Prog- und Coverbands bei uns, warum weiß ich nicht. Was erreichst du eigentlich mit progressiver Musik? Den Standard von Dream Theater eh nicht, also haben wir unseren Sound abgespeckt." Und aus der Not des örtlichen Saitenakrobatenüberschusses machten die zwei eine Tugend und aquirierten ihre späteren Genossen, Armin Bruckmaier und Thomas Beer, aus dem gut 200 km entfernten Allgäu. Zunächst enterte jedoch als Glücksfall Sänger Axel Friedrich (Axx), ein Naturtalent mit unheimlicher sangestechnischer Bandbreite, die Band. Schon fast müßig zu erwähnen, daß im schwäbischen Reich der Saitenartisten ein guter Sänger so selten ist, wie ein trockenes Plätzchen im tropischen Regenwald. Axx sang in einer Hardcoreband, und war, so Robse "..eher als Max Cavalera bekannt. Deswegen ist er auch nie von anderen Bands angesprochen worden, keiner wußte, daß er melodiöse Parts genauso beherrscht, wie authentischen Rap mit Gefühl für die richtige Rhythmik. Er hat es einfach drauf!" Und so hatte die Band fortan einen tollen Sänger sowie jede Menge Neider. Bis zum heutigen Sound mit seiner gewagten Melange aus Rap, Depeche Mode-Chören und astreinen Boygroup-Melodielinien war aber noch ein steiniger Weg der Selbstfindung und des Ballast-Abwerfens notwendig. Das erste vollwertige Demo wurde bei Dieter Roth aufgenommen, der bereits das bekannte Eisenkopf-Album der Schweisser produzierte. Am Anfang songwriterisch noch sehr verstrickt, fand die Band den Weg zur kommerziellen Geradlinigkeit. Der junge Wein sollte noch einige Zeit reifen, bis er schließlich auf Flaschen gezogen zum Genießen angeboten wird. Mit Zoom This Sound steht nun das Angebot einer Band, die ihren ausgereiften, kultivierten Sound perfektioniert hat. Gemastert wurde in den Wisseloord-Studios von René Schardt, der dort auch schon für Rammstein und die Guano Apes Knöpfchen drehte, während die Aufnahmen wieder bei Dieter Roth erfolgten. Kein halbgarer Mischmasch, bei dem sich Journalisten leicht Entschuldigungen für ihr gestreßtes Berufs-Desinteresse einfallen lassen können. Songs wie "Sorrow", "Messiah" oder "97" dürften manchen Kritiker in Erklärungsnotstand bringen. Und die Perle des Albums, "Life"(remixed von Geo Schaller, mixed by Anyway Wölfle in den Horus Studios von Frank Bornemann, die Macher von Open Your Eyes der Guano Apes), paßt mit ihrer ganz offen von Ultravox inspirierten Hookline genauso in die Foxrunde der örtlichen Tanzschule, wie ins Formatradio zur Hauptsendezeit zwischen Knoppers-Pause morgens und dem Hauptwaschgang kurz vor Bärbel Schäfer. ·Axx - Vocals ·Robse - Bass ·Heste - Drums ·Armin - Guitars ·Beer - Sampler/Programming |